Reise nach Sierra Leone vom 2. bis 18. März 2020

Der Zweck unserer Sierra Leone Reise bestand darin, die Projekte, die Tilly Bell in den letzten 20 Jahren auf den Weg gebracht hatte, zu besuchen. So waren wir in den gut 14 Tagen viel unterwegs.

Das Krankenhaus von Tilly Bell ist inzwischen grundlegend renoviert und an eine kanadische Ärzteorganisation verpachtet. Tilly Bells Augenmerk richtet sich auf das Errichten von Schulen, denn Bildung ist das A und O für die Zukunft der vielen jungen AfrikanerInnen in Sierra Leone.

Dabei spielt für ihn es keine Rolle, welcher Religion die SchülerInnen angehören, gleichwohl ist es Tilly wichtig, den christlichen Hintergrund seiner Arbeit immer wieder deutlich zu machen.

Seine „Love one another Campaign“ steht nach wie vor dafür. Durch sie sind in Freetown Schulen entstanden, die von christlichen Lehrern geleitet und unter dem Dach der Campaign stehend  finanziell unterstützt werden.

Wir haben diese sehr einfach ausgestatteten Schulen besucht und wissbegierige Schüler in Klassenstärken von 40 Schülern aufwärts und sehr engagierte Lehrer erlebt.

Während unseres Aufenthalts waren wir zweimal im Landesinneren unterwegs. Die erste viertägige Reise führte uns von Freetown in den Norden nach Makeni und Kono. In Makeni besuchten wir das „House of Hope Skills Training Centre“. Diese Schule, deren Schirmherrin Valerie Bell ist, wird von „Mütter helfen Müttern“ mitfinanziert.

Dort erhalten junge Mädchen und Frauen eine zweijährige Ausbildung zur Friseurin, Köchin oder Schneiderin. Danach können sie sich durch das Erlernte selbst Geld verdienen. Jede Absolventin erhielt ein Start-Up Paket, dem jeweiligen Beruf entsprechend als Abschlussgeschenk.  

Von Makeni ging es weiter nach Kono, über 300 km von Freetown entfernt. Kono haben wir deshalb besucht, weil es die Schule ist, die die Emder Baptistengemeinde zusammen mit dem Johannes-Althusius-Gymnasium finanziell unterstützt. Sie trägt den Namen unseres Mitfahrers „Rev. Ernst Bohnet School“. Ernst Bohnet, ehemaliger Pastor in Emden, wurde dort auch als alter Bekannter sehr herzlich begrüßt. Wir hatten dort einen ganzen Tag Zeit, uns mit Lehrern und Schülern zu unterhalten. Für Bells ist es wichtig, die Schulen zu besuchen, um den persönlichen Kontakt zu halten und zu schauen, wie der Unterricht läuft oder welche Probleme es gibt. 

Überall, wo wir hinkamen, wurden wir von den Schülern und Lehrern toll begrüßt. Meistens geschah das mit einem Begrüßungslied „You are welcome..“. Es war immer sehr berührend. Überhaupt haben wir nur freundliche und fröhliche Menschen getroffen, auch wenn sie nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Sie waren glücklich und dankbar, dass wir uns für ihr Land  interessieren und es und sie besuchen.

Der wichtigste Grund für uns als Abgeordnete der Gemeinde Leer war die Einweihung der Berufsschule in Kenema. Das war das Ziel unserer zweiten dreitägigen Inlandsreise. Der Bau dieser Schule wurde durch das Geld, das wir als Gemeinde beim Erntedank- und Weihnachtsopfer zusammenlegen, bezahlt. Hier werden auch wieder Mädchen und junge Frauen, manchmal schon Mütter, zur Schneiderin, Friseurin und Köchin ausgebildet.

Das Angebot soll noch erweitert  und später auch Jungen einbezogen werden. Der Unterricht läuft bereits seit Oktober 2019 mit 40 Schülerinnen, die Anmeldezahlen sind steigend. Das Gebäude ist ein solides Steinhaus, bestehend aus drei Klassenräumen, einem Hausmeisterraum, einem Toilettenhaus sowie einem Brunnen.

Es steht auf einem schönen ca. 3000m²  Grundstück. Die offizielle feierliche Einweihung erfolgte nun in unserem Beisein mit Vertretern aus der politischen Gemeinde. Dabei wurde eine Gedenktafel enthüllt, die auch den Namen unserer Baptistengemeinde Leer enthält. Zur Einweihung haben wir auch einen ansehnlichen Geldbetrag für diese, nun unsere Schule, mitgenommen. Damit kann man die Lehrergehälter bis November 2020 bezahlen. Der Staat gibt zu den Lehrergehältern im Moment nichts dazu.

Nach drei Jahren kann die staatliche Anerkennung der Schule erfolgen. Dann zahlt der Staat die Gehälter. Darum ist Tilly Bell auch weiterhin auf unsere Unterstützung angewiesen. Was unsere Schule als nächstes ebenfalls braucht, ist der Anschluss an das Stromnetz, damit Computer eingesetzt werden können.mit Grundstein Außerdem ist es notwendig, das Grundstück durch eine Mauer zu schützen. Ohne sie fahren Autos oder laufen Ziegen über das Grundstück.Bei unserem Besuch konnten wir uns überzeugen, dass unser Geld verantwortungsvoll verwendet und dort eingesetzt wird, wo es nötig ist.

Sierra Leone gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Das haben wir bei unserem Aufenthalt täglich gesehen. In den Dörfern gibt es keine ärztliche Versorgung, keinen Strom, kein fließendes Wasser. Die Kinder gehen, wenn überhaupt, oft kilometerweite Wege zur Schule. Viele können sich das Schulgeld für die Kinder nicht leisten, weil der Verdienst zu gering ist. Das gilt sogar für Lehrer.

Wir sind froh, dass wir diese Besuchsreise nach Sierra Leone gewagt haben und blicken dankbar auf die Zeit zurück. Es ist einfach wichtig, die Dinge vor Ort anzusehen und einen persönlichen Eindruck zu gewinnen. Für Tilly Bell hat sich mit unserem Besuch auch ein Kreis geschlossen: In unserer Leeraner Gemeinde hatte er vor ca. 20 Jahren die Vision, in seinem durch den Bürgerkrieg geschüttelten Land die Liebe Gottes weiterzugeben. Das praktiziert er mit Gottes Hilfe immer noch! Und wir als Gemeinde sollten ihn darin auch weiterhin unterstützen.

Unsere Rückkehr erfolgte aufgrund der Coronakrise in Deutschland zwei Tage früher als geplant.

Weitere Einzelheiten und Erlebnisse unserer Reise geben wir sehr gerne auf Anfrage weiter. Wir schließen mit dem üblichen Gruß in Sierra Leone „God bless you“.

Annedore und Helmut Hegeler

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